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Transfercheck: 43 Neue auf dem Prüfstand
Transfercheck: 43 Neue auf dem Prüfstand
Albert Streit ist auf Schalke sehr unzufrieden

Über Sinn und Unsinn von Winteraktivitäten auf dem Transfermarkt kann gestritten werden. Nach der Hälfte der Rückrunde ist es aber an der Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. sportal.de bewertet die Leistungen aller 43 Neuzugänge und stellt fest, dass nur wenige als Verstärkung durchgehen.

Um Licht ins Transferdunkel zu bringen, ordnen wir die Neuzugänge in verschiedene Kategorien ein. Wie es sich gehört, gibt es nur einen Hauptgewinn, dafür aber einige Mitläufer und viele Spieler konnten gar nicht bewertet werden, da sie noch gar nicht zum Einsatz gekommen sind:

Hauptgewinn

Von der ersten Minute an Topleistungen zeigte mit Diego Benaglio vom VfL Wolfsburg nur ein Spieler. Der Keeper hatte mit dem Pokalspiel gegen Schalke 04 einen perfekten Start, mit einem gehaltenen Elfer im Elfmeterschießen brachte er seinen neuen Club ins Viertelfinale.

Doch auch in der Bundesliga wusste der Schweizer in allen sieben Spielen zugefallen. Benaglio kassierte nur fünf Gegentreffer und hatte somit wesentlichen Anteil am Aufschwung der Wölfe. Das Team von Trainer Felix Magath ist die beste Rückrundenmannschaft der Bundesliga, Benaglio selbst glänzte mit der sportal.de-Note 2,64.

Der 24-Jährige konnte allerdings erst im zweiten Anlauf in der Bundesliga Fuß fassen. In den drei Jahren beim VfB Stuttgart durfte Benaglio nur in der Regionalliga spielen und wechselte 2005 nach Portugal zu Nacional Funchal. Doch Magath erinnerte sich an seinen Ersatzkeeper aus Stuttgarter Zeiten und investierte 1,75 Millionen Euro für einen neuen Torwart, nachdem er in der Hinrunde Simon Jentzsch aus dem Wolfsburger Kasten geworfen hatte.

Gut eingeschlagen

Damit kommen wir zu den Spielern, die ebenfalls als echte Verstärkungen angesehen werden können, aber noch nicht die Konstanz wie Benaglio an den Tag gelegt haben. Da wäre als erste Herthas Neuzugang Raffael zu nennen. Der Wunschkandidat von Trainer Lucien Favre war den Berlinern die stolze Summe von 4,3 Millionen Euro wert und erzielte in seinen sieben Einsätzen drei Tore, dazu bereitete der Brasilianer einen Treffer vor.

Wichtig ist für die Hertha aber auch, dass Raffael ein gute Ergänzung zu Topscorer Marko Pantelic ist. Der Serbe kommt bereits auf elf Saisontore, gerade beim 2:0-Erfolg gegen den MSV Duisburg harmonierten die beiden Stürmer gut und legten sich jeweils ein Tor vor.

Mit Martin Fenin (Eintracht Frankfurt), Joshua Kennedy (KSC) und Branko Jelic (Energie Cottbus) gehören drei weitere Stürmer in diese Kategorie. Für Fenin spricht sicherlich der herausragende Start mit vier Treffern in den ersten beiden Spielen. In den übrigen fünf Einsätzen flaute die Torgefahr zwar ab, doch zusammen mit Ioannis Amanatidis bildet der Tscheche ein Duo der besseren Sorte.

Bei Kennedy schüttelten in Karlsruhe viele den Kopf und fragten sich, wie der Australier, der sich in der Bundesliga beim VfL Wolfsburg, in Köln und beim Club in Nürnberg nachweislich nicht durchsetzen konnte, das Problem in der Sturmmitte der Badener lösen soll.

Doch die Kritiker verstummten schnell, Kennedy netzte bereits viermal ein und verdrängte den Albaner Edmond Kapllani problemlos. Cottbus wiederum ging mit dem ablösefreien Jelic wenig Risiko ein und der Serbe erwies sich als guter Ersatz für den am Rücken verletzten Topscorer Dimitar Rangelov.

Direkt in eine wichtige Rolle für den neuen Club reinwachsen konnten auch Shinji Ono (VfL Bochum) und der Dortmunder Antonio Rukavina.

Potential angedeutet

In dieser Kategorie soll es eigentlich um Spieler gehen, von denen man entweder weiß, was sie zu leisten im Stande sind oder noch nicht als echte Verstärkung durchgehen oder als aussichtsreiche Talente gelten, die es aber noch nicht zum absoluten Stammspieler geschafft haben. Doch beginnen wollen wir mit zwei Oldies, die unverhofft zu Comebacks kamen und dabei zeigten, dass auf sie Verlass ist.

Alexander Bade war eigentlich Stammkeeper beim SC Paderborn in der 2. Liga, doch als Jens Lehmann in Dortmund absagte und der BVB einen neuen Ersatzkeeper brauchte, zögerte Bade nicht lange und wechselte auf die Ersatzbank der Borussia. Doch gegen Schalke schlug seine Stunde, in der Halbzeit kam Bade für den verletzten Marc Ziegler zwischen die Pfosten und machte klar, dass Dortmund kein Torwartproblem hat.

Noch kurioser war der Fall von Dirk Heinen bei Arminia Bielefeld. Der Ex-Stuttgarter hatte seine Karriere bereits beendet und hütete in Irland Schafe, doch als nach den Verletzungssorgen bei der Arminia ein Anruf kam, ließ sich Heinen zum Standby-Profi machen und rettete den Ostwestfalen gegen Hannover am vergangenen Spieltag einen Punkt.

Mit Sven Ulreich geht ein weiterer Keeper als Neuzugang durch. Der Nachwuchsmann wurde im Winter aus der Reserve des VfB Stuttgart befördert und mit seinem ersten Profivertrag ausgestattet. Und der rasante Aufstieg ging weiter, wegen der schwankenden Leistungen von Stammkeeper Raphael Schäfer schenkte Trainer Armin Veh Ulreich schon am 18. Spieltag das Vertrauen.

Obwohl sich die Stuttgarter mit dem neuen Torwart aus der Krise schossen und mittlerweile wieder vom internationalen Geschäft träumen können, ist Ulreichs Anteil daran nicht sehr groß. Mit der sportal.de-Durchschnittsnote von 3,7 rangiert er sogar hinter seinem Rivalen Schäfer (3,61) und zeigte auch einige Unsicherheiten.

Besonders aktiv auf dem Transfermarkt war der FC Schalke. Doch von den vier Neuzugängen konnte bisher nur Vicente Sanchez in Ansätzen überzeugen. Der Uruguayer spielte zwar nur gegen die Bayern von Beginn an, als Joker fügte sich der kleine Außenstürmer aber stets schnell in die Mannschaft ein und könnte schon in den nächsten Spielen dauerhaft in die Startelf rücken.

Bei Gledson (Hansa Rostock) und Valerien Ismael (Hannover 96) ist klar, dass sie in Topform zu den absoluten Leistungsträgern in ihren Vereinen zu zählen sind, doch Verletzungen warfen die Abwehrspieler zurück.

Der Neu-Bremer Mesut Özil kam wie Mittelfeldkollege Caio bei Eintracht Frankfurt als junger Hoffnungsträger in eine weitgehend funktionierende Mannschaft und deshalb hatten es die beiden Jungstars nicht leicht. Özil hat mit Diego große Konkurrenz auf seiner Lieblingsposition und dem Brasilianer Caio sollte noch Eingewöhnungszeit eingeräumt werden. Beide haben ihr großes Talent bereits aufblitzen lassen.

In diese Kategorie gehören auch Claudiu Niculescu (Duisburg), Michal Papadopulos (Cottbus), Mimoun Azaough (Bochum), Rudolf Skacel und Gojko Kacar (beide Hertha), die viele Spiele in der Anfangsformation bestritten und dabei bereits tragende Rollen übernommen haben.

Mitläufer

Insbesondere die Namen Jan Koller (Nürnberg), Zé Roberto (Schalke) und Danijel Ljuboja (Wolfsburg) haben Erwartungen geschürt, die bisher nicht erfüllt werden konnten. Koller leidet sicher unter der allgemeinen Krise beim Club, der Tscheche konnte sich in der Sturmspitze aber noch zu selten durchsetzen.

Der zweite Zé in der Bundesliga kam mit zu geringem Fitnessgrad in Gelsenkirchen an, kämpfte sich dann langsam an den Kader heran und feierte mit seinem Jokertor gegen Stuttgart einen Einstand nach Maß, doch mittlerweile fehlt der Brasilianer wieder verletzt.

Besonders aktiv auf dem Transfermarkt war der MSV Duisburg, durchschlagende Erfolge feierten die Zebras dabei aber kaum. Bojan Vrucina, Silvio Schröter, Olivier Veigneau und Fernando Horacio Avalos konnten den MSV im Abstiegskampf jedenfalls nicht weiterbringen, Duisburg steht weiter auf einem Abstiegsplatz.

Weitere Mitläufer sind Mats Hummels (Dortmund), Dusan Vasiljevic, Ivan Radeljic (beide Cottbus) und Evangelos Mantzios (Frankfurt)

Daneben gegriffen

Das Urteil Fehleinkauf wird in der heutigen Zeit sicher häufig zu schnell gefällt, trotzdem haben wir uns bei drei Spielern zu dieser Entscheidung durchgerungen. Bei Sergiu Radu vom VfB Stuttgart hängt das mit den Erwartungen an den Rumänen zusammen, denn präsentieren konnte sich der Stürmer bisher so gut wie gar nicht.

Nach der starken ersten Bundesliga-Saison in Cottbus (14 Tore, vier Vorlagen) wechselte Radu nach Wolfsburg, bekam dort aber nicht das Vertrauen von Trainer Felix Magath und suchte im Winter auch deshalb eine neue Herausforderung, weil er seine EM-Chancen nicht schmälern wollte.

In Stuttgart war Radu als Ersatz für den als Langzeitverletzten verbuchten Cacau und den angeschlagenen Mario Gomez eingeplant, doch die beiden Stürmer wurden schneller als erwartet fit und trafen zum Leidwesen des Rumänen gleich in ihren ersten Einsätzen. Somit entwickelte sich das Leihgeschäft mit Radu zum Missverständnis, im Sommer dürfte wohl schon Schluss sein.

Bei Albert Streit könnte es für eine solche Einschätzung noch zu früh sein, aber der eigenwillige Mittelfeldspieler des FC Schalke hat erstmals seine Unzufriedenheit über das Reservistendasein geäußert und könnte somit für zusätzliche Unruhe bei den Knappen sorgen.

"Ich schaue mir das jetzt noch ein paar Wochen mit an, und wenn sich dann nichts ändert, muss man sich an einen Tisch setzen und eine Lösung finden", sagte der Streit der Frankfurter Rundschau.

"Es läuft hier alles ein bisschen komisch, sehr komisch sogar. Die Situation ist unbefriedigend und ungewohnt", meinte Streit weiter. Trainer Mirko Slomka habe bisher nur einmal mit ihm gesprochen, seit er auf Schalke ist, sagte der 28-Jährige:

"Ich saß noch nie so lange draußen, bei keinem Verein. Das ist ungewohnt und eine neue Erfahrung für mich. Ich habe mir das alles ganz, ganz anders vorgestellt." Trotzdem will sich der in Bukarest geborene Spieler noch ruhig verhalten: "Schalke hat so viele Probleme, da bin ich das kleinste", erklärte der Neuzugang

Makoto Hasebe wiederum hat zwar alle Rückrundenspiele des VfL Wolfsburg mitgemacht, dabei konnte der Japaner allerdings nicht überzeugen. Hasebe fiel bei den starken Leistungen der Wölfe häufig ab und es ist verwunderlich, dass Felix Magath weiter auf den Mittelfeldspieler setzt. Hasebe wirkt oft unbeteiligt und tut wenig für die Spieleröffnung. Die sportal.de-Note von 3,86 unterstreicht zusätzlich die These, dass es für den Japaner in der Bundesliga schwer wird.

Ohne Bewertung

Abschließend bleiben noch elf Spieler übrig, die keine oder nur sehr wenig Einsatzzeiten bekommen haben. Dabei ist auch der teuerste Einkauf der Winterpause, für den Brasilianer Breno zahlte der FC Bayern eine Ablöse von zwölf Millionen Euro. Doch der 18-Jährgie wird eher als Investition für die Zukunft angesehen und geht deshalb wie die folgenden Spieler nicht in die Bewertung ein:

Valeri Domovchiyski (Hertha), Sebastian Langkamp (KSC), Jacques Arbardonado (Nürnberg), Levan Kenia (Schalke), Anton Putsilo (HSV), Vadis Odjidja-Ofoe (HSV), Kenneth Kronholm (Rostock), Christian Müller (Cottbus), Oleksiy Byelik (Bochum), Bryan Arguez (Hertha)

Marcus Krämer