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Hallo, Berlin, ist jemand zu Hause?
Quo Vadis, Herr Favre?

Die Stars der besten deutschen Nachwuchsschmiede werden in alle Winde verkauft. Leistungsträger gehen, niemand kommt. Will Hertha BSC mutwillig absteigen? Wir kommentieren.

Yildiray Bastürk, Dick van Burik, Ashkan Dejagah, Kevin-Prince Boateng, Cristian Gimenez, Christopher Schorch, wahrscheinlich noch Jerome Boateng: Sie alle sind entweder Leistungsträger oder Riesentalente, die Hertha in diesem Sommer schon abgestoßen hat.

Wenn wir diese Liste dem typischen Außerirdischen vorlegen, der gerade auf der Erde gelandet ist, wird der kleine Grüne Mann entgegnen: "Ja sicher, aber der Hauptstadtclub hat doch dafür gewiss schon vollwertigen Ersatz verpflichtet!"

"Vier, vielleicht fünf"

Wir lassen dazu Manager Dieter Hoeneß antworten: "Es nutzt nichts, jetzt mit Druck zu arbeiten." Aha. Der Marsmensch, der, nehmen wir mal an, langjähriger Hertha-Fan ist, wird nun fassunglos entgegnen: "Entsteht der Druck nicht vielleicht durch den bevorstehenden BUNDESLIGASTART ganz von selbst, Dieter?"

Hertha will noch "vier, vielleicht auch fünf neue Spieler" verpflichten, sagt Hoeneß. Aha. Prinzipiell kein schlechter Plan. Nun gibt es Clubs, wie zum Beispiel den FC Bayern, der bereits im Mai "vier, vielleicht fünf" absolute Topstars unter Vertrag genommen hat.

Die Vorbereitung heißt ja auch deshalb Vorbereitung, weil sich ein Kader auf die neue Saison vorbereiten soll. Böse Zungen könnten behaupten, dass Spieler, die erst nach Saisonstart kommen, etwas unvorbereitet an ihre Aufgabe herantreten. Wie sinnvoll es ist, Spieler in der letzten Augustwoche nachzukaufen, hat in der vergangenen Saison der HSV festgestellt, der mit seinen Panikkäufen Joris Mathijsen und Juan Pablo Sorin bis auf den letzten Tabellenplatz durchgereicht wurde.

Arm, und nicht sexy

Wen hat Hertha denn bisher geholt, um die Abgänge zu kompensieren? Wer, will unser Außerirdirscher wissen, soll neben Marko Pantelic stürmen und die 12 Saisontore von Cristian Giménez beisteuern? Solomon Okoronkwo? Ähem.

Zugegeben: Mit Jaroslav Drobny aus Bochum wurde ein guter Keeper geholt, eine wirklich sinnvolle Verstärkung. Aber davor? Eine Mannschaft, die zuletzt fast gegen den Abstieg spielte, verliert sieben wichtige Spieler und holt mit Lucio nur einen einzigen erstklassigen Feldspieler als Ersatz?

Wir klopfen dem inzwischen niedergeschlagen auf dem Kantstein sitzenden Außerirdischen auf die Schulter und suchen nach möglichen Erklärungen für die Transferpolitik:

1) Hertha ist völlig pleite und hat keinerlei Handlungsspielraum bei Transfers.
Dass die Berliner große finanzielle Probleme haben, ist kein Geheimnis. Ein Konsolidierungskurs macht also prinzipiell Sinn. Wenn man aber die Gehaltszahlungen so weit reduziert, wie Hertha es getan hat, dann müsste es doch möglich sein, irgendwo in Europa Spieler zu finden, die dem Club weiterhelfen können?

2) In einem groß angelegten Wettbetrug versucht das Café King in Charlottenburg, mit dem Abstieg der Berliner Geld zu verdienen.
Um nicht juristisch belangt zu werden, müssen wir sagen: Wir haben keine Anhaltspunkte dafür, dass in Robert Hoyzers ehemaligem Lieblingscafé irgendein krummes Ding gedreht wird. Daher lassen wir diese These gleich wieder fallen.

3) Dieter Hoeneß hat bereits hinter den Kulissen Kakà, Samuel Eto'o und Frank Lampard an der Angel und schon Häuser für die Weltstars im Grunewald angemietet.
Wäre ein genialer Schachzug. Aber so weltfremd ist unser Außerirdischer nun auch wieder nicht, dass wir ihm das verkaufen können.

4) Die Verantwortlichen sind ihrer Aufgabe einfach nicht gewachsen.
So böse es klingt: Bis zum Beweis des Gegenteils müssen wir annehmen, dass das die traurige Wahrheit ist. Sich mit so vielen Spielern gleichzeitig zu überwerfen, das ist schon sehr unklug. Mag sein, dass viele dieser Spieler den gleichen Berater haben (Karel van Burik). Aber dann war es umso fahrlässiger, sich in eine solche Abhängigkeit zu begeben.

Der neue Trainer Lucien Favre, zuletzt zweimal Schweizer Meister mit dem FC Zürich, ist um seinen neuen Job nicht zu beneiden. Vielleicht aber, und damit machen wir unserem Besucher aus der fernen Galaxie Hoffnung, bevor er wieder in sein UFO steigt, um auf Orion 17 eine Sportsbar mit Premiere zu finden: Vielleicht will die Hertha ja auch nur die Erwartungen ihrer Fans so weit in den Abgrund treiben, dass es am Ende nur besser kommen kann als befürchtet.

Daniel Raecke