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17.07.2007 Rostocks unmögliche Mission![]() Orestes Junior Alves ist einer der Hoffnungsträger für die Abwehr Nach einer starken Hinrunde hatten viele Experten die Hansa-Kogge als sicheren Aufsteiger eingestuft, doch das Team von Trainer Frank Pagelsdorf schwächelte in der zweiten Serie und sicherte sich erst am letzten Spieltag den zweiten Platz. Neulinge haben es in der Bundesliga bekanntlich immer schwer, wir zeigen, ob das auch für Rostock gilt. Der Kader Im Hansa-Team stehen einige Altbekannte, aber auch viele neue Gesichter. Kopf der Mannschaft ist Stefan Beinlich. Der mittlerweile 35-Jährige Ex-Hamburger schwingt im Mittelfeld den Taktstock, ist allerdings verletzungsanfällig und daher nicht für eine komplette Saison einzuplanen. Auch in der noch laufenden Vorbereitung musste der bestätigte Kapitän kürzer treten. Bekannt sind neben Beinlich auch Christian Rahn, René Rydlewicz oder Neuzugang Stefan Wächter, der ebenfalls vom HSV den Weg nach Rostock fand. Alle drei sind über den Status eines Durchschnittsspielers allerdings nie hinaus gekommen. Weitere Leistungsträger sind in der Abwehr der junge Tim Sebastian und Dexter Langen, Djordje Cetkovic und Marc Stein im Mittelfeld sowie Enrico Kern und Amir Shapourzadeh im Angriff. Mit diesen Namen im Hinterkopf rechneten viele Experten mit einer erheblichen Verstärkung des Kaders, doch bei Hansa tat sich wenig im Sommer - zumindest auf dem Transfermarkt. Neben Wächter, der den nach Schalke gewechselten Mathias Schober als Stammkeeper adäquat ersetzen wird, wechselten noch die Abwehrspieler Benjamin Lense (VfL Bochum), Heath Pearce (FC Nordsjaellana) und Orestes Junior Alves (Naval 1 de Maio) in die neu benannte DKB-Arena. Ob damit ein Ersatz für den Neu-Stuttgarter Gledson gefunden ist, wird sich erst noch zeigen müssen. Das gleiche gilt für Stürmer Addy-Waku Menga. Der kongolesische Angreifer war zwar Topscorer bei Zweitliga-Aufsteiger VfL Osnabrück, eine zweistellige Torgarantie hat Hansa deshalb noch lange nicht gekauft. Freuen kann man sich auf den 20-jährigen Zafer Yelen. Der Mittelfeldspieler wurde in der letzten Saison von Pagelsdorf ins kalte Wasser geworfen und der Freistoßspezialist zahlte das Vertrauen zurück. Yelen erzielte fünf Tore, bereitete vier weitere vor. Der türkischstämmige Berliner wird seinen Weg in der Bundesliga machen. Der Trainer Falls es für Hansa frühzeitig Richtung Keller gehen sollte, muss sich Frank Pagelsdorf den Vorwurf gefallen lassen, in der Sommerpause falsche Prioritäten gesetzt zu haben. Statt konstruktiv die Neubildung des Kaders voranzutreiben, ließ sich der 49-Jährige auf einen Machtkampf mit Manager Stefan Studer ein und gewann - zumindest auf den ersten Blick. Studer, in den Jahren 1995-1997 selbst noch unter Pagelsdorf als Spieler in Rostock aktiv, wurde als Manager entmachtet. Doch das von Pagelsdorf angepeilte "Wolfsburger Modell" mit kompletter Machtfülle für den Trainer wurde von Hansa-Seite abgelehnt, stattdessen heuerte auf der Kogge mit Herbert Maronn ein alter Bekannter als neuer Manager an. Mit dieser gescheiterten Machtprobe hat sich Pagelsdorf selbst unter Druck gesetzt. Aufsichtsrats-Chef Horst Klinkmann sieht nun einzig den Coach in der Verantwortung: "Es ist ganz klar: Nach diesen Entscheidungen hat Frank Pagelsdorf kein Alibi mehr. Der Trainer steht jetzt in der Pflicht" Es könnte demnach ganz schnell eng werden für den Ex-Hamburger. Das Umfeld Das große Plus eines jeden Aufsteigers sollte die Euphorie sein. Doch davon ist in Rostock nicht mehr viel übrig geblieben. Erst das Sommertheater zwischen Pagelsdorf und Studer, kaum Geld für Neuverpflichtungen und sogar Ailton, der für einen gehobenen Unterhaltungswert gestanden hätte, heuert lieber beim MSV Duisburg an. Daher verwundert es nicht, dass Hansa mit Abstand die wenigsten Dauerkarten in der Bundesliga verkauft hat. Wie soll unter den Fans auch Vorfreude aufkommen, wenn dem neuen Manager Maronn zu der Verpflichtung von Benjamin Lense folgende Worte einfallen: "Benjamin Lense spielt gern in der Bundesliga. Er hat hier im Training einen guten Eindruck hinterlassen." Na dann sind wir ja alle beruhigt. Wunschtraum Trainer Pagelsdorf hat in seiner ersten Zeit bei Hansa (1994-1997) bewiesen, dass er mit wenig finanziellen Mitteln und Talenten aus unteren Ligen Erfolge feiern kann. Bei Spielern wie René Schneider, Jonathan Akpoborie oder Steffen Baumgart zitterte die Liga ebenso wenig wie heute bei Tim Sebastian, Fin Bartels oder Addy-Waku Menga. Beweist der bei den Rostocker Fans als Legende angesehene Pagelsdorf erneut ein gutes Händchen, träumen die Anhänger vom frühzeitigen Klassenerhalt. Albtraum Das Auftaktprogramm der Rostocker hat es in sich. Hansa startet beim FC Bayern, danach stehen Heimspiele gegen Pokalsieger Nürnberg und Borussia Dortmund an, auswärts geht es nach Frankfurt und Bielefeld. Es droht also ein Fehlstart und der Kader macht nicht den Eindruck, mit einer kompletten Saison im Abstiegskampf klarkommen zu können. Prognose Hansa hat den schwächsten Kader aller Aufsteiger, deshalb wird es nichts mit dem Klassenerhalt. Als Tabellen-18. geht die Reise zurück in die 2. Liga. Marcus Krämer Lesen Sie morgen: Dieser Club landet auf Platz 17 |