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Eine gewisse Grundunzufriedenheit darüber, wie der Club sich in den letzten zehn Jahren entwickelt hat, was grob der Ära von Vorstand Bernd Hoffmann entspricht, mischt sich anscheinend mit dem Frust über das lange Warten auf einen Titel (seit 1987) und führt zu einer depressiven Dauerstimmung. Doch warum genau ist das so?
Die sportliche Bilanz der Ära Hoffmann kann sich trotz aller Trainerwechsel und Neuanfänge durchaus sehen lassen. In den neun Saisons seiner Amtszeit stand der HSV am Saisonende nie schlechter als auf Platz acht in der Tabelle. Es gibt genau einen anderen Bundesligisten, der so viel Konstanz in diesem Zeitraum aufwies: den FC Bayern. In den neun Jahren davor waren die Rothosen zudem sechsmal schlechter als Platz acht. Die Tendenz zeigte also klar nach oben.
Dreimal so viele Zuschauer wie vor 25 Jahren - und dreimal so viel Unzufriedenheit
Vergleicht man dazu die Infrastruktur des Clubs mit der von vor 15 Jahren, dann müsste man als HSV-Fan eigentlich rundum glücklich sein. Statt der alten Betonschüssel steht im Volkspark ein großes, stimmungsvolles Stadion, in das im Schnitt 54.000 Zuschauer pro Spiel kommen. Mitte der 1990er betrug der Schnitt die Hälfte davon, in den 1980ern lag er oft unter 20.000.
So gehört der HSV zu den zehn bestbesuchten Clubs Europas, nach der jährlichen Football Money League der Unternehmensberatung Deloitte zudem zu den 15 umsatzstärksten Fußballclubs der Welt. Kurzum: Im Großen und Ganzen gibt es nicht viel zu meckern. Was genau wollen denn die unzufriedenen HSV-Fans von ihrem Verein?
Da ist sicher einmal die Sehnsucht nach der Goldenen Zeit, der Ära von Ernst Happel, in der die Hamburger den Europapokal der Landesmeister holten, dreimal Meister und einmal Pokalsieger wurden. Happel war sechs volle Saisons lang Trainer. Nach ihm schaffte nur noch ein einziger Coach die Hälfte davon: Frank Pagelsdorf. Der hatte mit einer Ausnahme nicht wirklich bessere Ergebnisse vorzuweisen als seine Nachfolger. Aber damals reichte ein Platz im sicheren Mittelfeld den Verantwortlichen noch aus.
Abgang der Stars - den Fans noch nicht genug
Ist der HSV also zum Opfer seiner eigenen Erfolge geworden? Haben die verbesserten Rahmenbedingungen und die größere sportliche Konstanz eine Erwartungshaltung erzeugt, an der die Mannschaft immer wieder scheitern muss? Dieser Erwartungshaltung glaubte man zur aktuellen Saison wohl mit dem radikalen Umbruch begegnen zu können, der dazu noch mit einem eher unerfahrenen, sympathischen Trainer gestaltet werden soll. Einen Champions League-Platz erwartet von dieser Mannschaft jedenfalls niemand.
Seit Martin Jol im Sommer 2008 beim HSV unterschrieb, verließen mit Rafael van der Vaart, Vincent Kompany, Nigel de Jong, Ivica Olic und Jerome Boateng viele internationale Klassespieler den Verein. Vor dieser Saison beschleunigte man den Aderlass mit den Abgängen von Ruud van Nistelrooy, Zé Roberto, Joris Mathijsen, Frank Rost und Piotr Trochowski noch. Sind die Hamburger vielleicht eigentlich nur sauer, weil immer so viele Stars vekauft werden?
Wenn man mit HSV-Fans spricht, ergibt sich ein anderes Bild. "Guerrero würde ich mit der Schubkarre nach Spanien fahren" oder "Bloß weg mit dem Elia, so lange man noch Geld für ihn kriegt", sind typische Sätze, die jedem bekannt sind, der Rothosen zu seinem Bekanntenkreis zählt. Trotz der hohen Fluktuation im Kader hält sich in dieser Szene hartnäckig die Überzeugung, dass es in der Mannschaft charakterlich nicht stimme und man besser ohne die "hoch bezahlten Profis" fahren würde.





