
Gibt es Schlimmeres als singende Schalker im eigenen Stadion? Der Frust saß nach der 1:2-Pleite im Derby tief bei Borussia Dortmund. Das "Spiel des Jahres" war verloren, die Meisterschaft rückt in weite Ferne und dann waren da noch ein Trainer-Fehler und viele Verletzte.
"Einfach geil", bemühte Lars Unnerstall nach dem Sieg beim BVB Worte, wie man sie zuletzt nach Derbys eigentlich von Jürgen Klopp gewohnt war. Doch während der Schalke 04-Keeper zufrieden seinen weißen Schlapphut, den er von den Fans geschenkt gekriegt hatte, so zurechtrückte, dass alle Welt sein strahlendes Lachen sehen konnte, zog Klopp seine "Pöhler"-Kappe noch ein bisschen tiefer ins Gesicht. Der Trainer von Borussia Dortmund war frustiert.
Frustriert über die Niederlage, frustriert über den immer größer werdenden Rückstand auf Bayern München, aber vor allem frustriert über einen eigenen Fehler, der den Ausgang des Spiels gegen Schalke 04 in nicht unerheblichem Maße mitbestimmt hatte. Das Fehlen der verletzten Stammkräfte Marcel Schmelzer, Jakub Blaszczykowski, Mario Götze und Ilkay Gündogan hatte Jürgen Klopp nämlich zu dem waghalsigen Experiment veranlasst, das Team auch taktisch völlig umzukrempeln.
Taktikexperiment des BVB ging in die Hose
"Ich wollte der Mannschaft durch eine Systemumstellung helfen", erklärte der Coach von Borussia Dortmund nach dem Spiel kleinlaut, warum er seine Mannschaft in der ersten halben Stunde im 3-5-2 hatte auflaufen lassen. Gegner Schalke 04 überraschte Klopp damit nur kurz, seine Mannschaft verwirrte er damit aber deutlich länger. Der Versuch Sven Bender zwischen Mats Hummels und Neven Subotic zentral in einer Dreierkette agieren zu lassen, ging nämlich ziemlich in die Hose.
"Leider hat das nicht funktioniert", musste sich Klopp eingestehen. Da war der Schaden aber bereits angerichtet, Schalke 04 hatte durch Ibrahim Afellay (14.) die Verwirrung in der Hintermannschaft des BVB ausgenutzt. "Das nehme ich auf meine Kappe", erklärte Klopp frustriert. Zwar hatte er das Experiment nach einer halben Stunde abgebrochen, war zum gewohnten System mit Viererkette zurückgekehrt, genügend Sicherheit bekam seine Mannschaft aber trotzdem nicht, ließ sich beim 0:2 durch Marco Höger (48.) sogar klassisch auskontern und überlaufen.