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Källström (sportal.de-Note 1) avancierte zum besten Spieler auf dem Platz, er war an drei der vier schwedischen Tore beteiligt. Kacaniklic wiederum hatte die Aufgabe, Boatengs Offensivdrang auf der rechten Seite einzudämmen. Das gelang sehr gut, denn Kacaniklic machte die Wege nach hinten sehr konsequent mit, schaltete sich seinerseits aber auch ins Offensivspiel ein - was an Boateng aber irgendwie vorbeiging.
Oder sollte man besser sagen, was an Löw vorbeiging. Denn während Hamren seiner Aufgabe als Coach in beeindruckender Manier auch in der Pause nachging, nahm der Bundestrainer kaum Einfluss auf das Spiel. "Wenn das Spiel mal in so eine Phase gerät, ist es schwierig, von außen richtig Einfluss zu haben", sagte Löw nach dem Spiel. "Ich habe versucht, einzelne Spieler nochmals daran zu erinnern, wie sie in ihre Positionen gehen sollen und konsequent arbeiten. Das Spiel ist irgendwie aus dem Ufer gelaufen und war nicht mehr zu korrigieren."
Ob Löw damit Boateng meint, der seine Rolle als Rechtsverteidiger weiterhin munter offensiv interpretierte, ist nicht überliefert. Aber sportal.de ist der Meinung, ein Trainer kann durch richtige Wechsel oder taktische Anweisungen von außen jederzeit Einfluss auf ein Spiel nehmen. Spätestens nach dem 4:2 hätte Löw die Defensive stärken müssen. Statt Mario Götze hätten Spieler wie Benedikt Höwedes oder Heiko Westermann kommen müssen. Und in der Nachspielzeit auf den dritten Wechsel gänzlich zu verzichten, sollte einem Bundestrainer beim Stand von 4:3 ebenfalls nicht passieren. Im Grunde machten die Schweden das, wozu sich die DFB-Elf nicht imstande sah: Sie legten den Schalter um
3) Deutschland und der Schalter oder: Das fehlt zu einer großen Mannschaft
Die Ratlosigkeit der Spieler wenige Minuten nach dem historischen Einbruch war total verständlich. Während der Bundestrainer ("Ganz ehrlich, ich kann das jetzt nicht erklären"), sein Kapitän ("Wenn man 4:0 führt und 4:4 spielt, ist irgendwas falsch gelaufen") und sein Leader Bastian Schweinsteiger ("Natürlich ist es unerklärlich") kaum Worte fanden, flüchtete sich Toni Kroos in eine Floskel, die später sogar TV-Experte Mehmet Scholl aufnahm:
"Schweden hat gekämpft um jeden Zentimeter und wir haben den Schalter nicht mehr umlegen können", sagte Kroos am ARD-Mikrofon. Aber was bedeutet das eigentlich, den Schalter umlegen? Kroos meint damit wohl, dass nach einer 4:0-Führung die Bereitschaft schwindet, den Gegner in aller Konsequenz zu bekämpfen und wenn der Gegner dann zwei Tore erzielt hat, soll der Schlendrian nicht mehr aus den Köpfen zu bekommen sein.
Wir wollen nicht zu lange auf dem Schalter herumreiten, aber die Passivität der letzten 30 Minuten gegen Schweden ist ein deutliches Indiz dafür, was Deutschland in der Entwicklung zu einer großen Mannschaft fehlt. Passiert etwas Unvorhergesehenes - exemplarisch stehen dafür die taktische Fehlplanung im EM-Halbfinale gegen Italien, das unerwartet starke Pressing der Österreicher und eben die taktische Umstellung der Schweden -, fehlt der Löw-Elf die Flexibilität, um darauf zu reagieren. Dabei muss, mit Verlaub Herr Kroos, dann auch kein Schalter umgelegt werden, stattdessen geht es darum, Alternativen parat zu haben.





